B a d e h a u s

B a d e h a u s

Mastherthesis | 2014 | Anna Gassner

Bei einem Spaziergang von der Stadt zum Meer durchquert man eine Abfolge unterschiedlichster Landstriche. Der dörflich anmutenden Bebauung am Stadtrand folgt ein heterogen bewachsener Wald, dessen Baumbestand sich zu einer mäßig bewaldeten Dünenlandschaft hin lichtet. Diese geht schließlich in einen feinen Sandstrand über welcher sich im Meer verliert. Diese landschaftlich charakteristischen, den Ort prägenden Zonen erstrecken sich in langen Bändern parallel zur Küste. Das entworfene Gebäude nimmt in der Gestalt eines Riegels die Geometrie des Ortes auf und fügt sich so in die vorhandene Struktur ein. Mit leichtem Abstand zur Siedlung zieht sich der längs ausgerichtete Neubau durch den Wald. Querstraßen verbinden das Grundstück mit einer der städtischen Hauptstraßen und schaffen ständige Blickbeziehungen zum neuen Baukörper. So zeigt er Präsenz und bleibt Vorbeifahrenden im Gedächtnis.

Die Lage im Wald lässt ein Wechselspiel zwischen Gebäude und Bäumen entstehen. Denn zum einen bilden die Bäume eine transparente Schicht, die das Gebäude teils verhüllt und teils durchscheinen lässt. Zum anderen bietet der Bau den verschiedenen Baumarten eine diskrete, dennoch Ausdruck verleihende Kulisse. Wie auf einer Bühne treten sie vor der Gebäudefassade aus der Tiefe des Waldes hervor. In dieses leise Spektakel fügen sich zwei große Öffnungen ein, die das Volumen des Baukörpers durchdringen. Die Größere der beiden Öffnungen ist zugleich der Eingang zum Gebäude und inkorporiert eine Gruppe von Lärchen des ursprünglichen Baumbestands, während die kleinere Öffnung einen der wenigen Pfade zum Strand umrahmt.

Der zurückgesetzte Sockel verleiht dem Gebäude einen schwebenden Ausdruck und unterstreicht die Leichtigkeit des länglichen, fließenden Gebäudekomplexes, mit der er sich harmonisch in die ihn umgebende Landschaft einfügt. Die schlanke, niedrige Gestaltung verleiht dem Bau eine Form, die das Vorhandene nicht dominiert sondern ergänzt.

Im Gebäudeinneren orientiert sich die Anordnung der Nutzungsbereiche an der Struktur des umgebenden Baumbestandes. Mit abnehmender Dichte, von Norden nach Süden, erfolgt auch innerhalb des Gebäudes ein Übergang von Bereichen mit eingeschränktem Zutritt zu solchen, die der Allgemeinheit offen stehen. Folglich befindet sich das Hotel im Norden umgeben von dichtem Wald, der eine intime Atmosphäre schafft. Während die Therme sich im südlichen Teil befindet und ihren Gästen einen offenen und relativ weiten Ausblick bietet. In Übereinstimmung mit dem Planungskonzept bildet eine Strandbar den Abschluss des Komplexes, und lädt die Spaziergänger auf ihrem Weg an die Küste zum Verweilen ein.

Vier Innenhöfe unterteilen den Thermalbereich in verschiedene Nutzungsbereiche. Sie fungieren als Wegweiser und führen den Badegast von Hof zu Hof durch das Gebäude. Der erste Innenhof heißt den Besucher mit Empfang, Kasse sowie verschieden Service- und Informationsmodulen willkommen. Um den zweiten Hof organisieren sich Umkleide- und Duschzone, während der dritte den Gast in den Badebereich leitet. Im vierten und damit letzten der Höfe befinden sich die drei Innenbecken. Den Eingangshof ausgenommen sind die Höfe längs der mittleren Gebäudeachse angeordnet, sodass die Bewegungsräume ausreichend belichtet werden und die Fassade und somit der Blick in die Natur freibleiben. Eine große Öffnung zieht sich fast über die gesamte Länge des Badebereichs. Hier kann der Besucher die Aussicht auf eine weite Lichtung genießen.

Jedes Becken wird räumlich klar durch eine Wand beziehungsweise eine Doppelwand an den Längsseiten und Stürzen an den Kopfseiten gefasst. Die Doppelwände bilden den Eingangsbereich zum Becken und integrieren sowohl Duschen und Waschbecken, als auch Sitzgelegenheiten vor den Becken. Durch diese Box entsteht eine der Nutzung angemessene Privatsphäre mit hoher Aufenthaltsqualität. Hier ist der Besucher während des Badens vor Blicken Anderer geschützt, kann sich auf sich selbst konzentrieren und entspannen. Im Kontrast dazu steht der nach Westen gerichtete und gänzlich offen gestaltete Liegebereich, der allein durch die Anordnung der Höfe und Becken entsteht und gegliedert wird. Auf der gegenüberliegenden Ostseite des Gebäudes erstreckt sich nahezu über die gesamte Länge des Badebereichs das Außenbecken. Wie auf der Westseite bietet sich dem Besucher hier ein weiter Blick in die umgebende Landschaft. Außerdem ermöglichen zwei großzügige Öffnungen an den Beckenenden den gerahmten Blich in den Himmel. Ein Liegebereich im Freien schließt sich an und dient gemeinsam mit einem Sonnendeck, das über eine Treppe erreichbar oberhalb des Strandweges und der Bar liegt, einen ansprechenden Erholungsraum.

Das Programm wird um einen SPA-Bereich erweitert, der sich oberhalb der Thermalanlage befindet. Der Besucher erreicht ihn über eine Treppe im allgemeinen Eingangsbereich. Auch hier greift das Prinzip der Höfe im Sinne von Struktur und Atmosphäre. Die Höfe ermöglichen die natürliche Ausleuchtung der inneren Verkehrswege während die Behandlungsräume an der Fassade liegen. So genießt der Besucher während der Anwendung den Blick in die Natur. Neben weiteren Räumen wie einem Gymnastiksaal, einem Schönheitssalon und einer Bar bieten vier Dachterrassen die Möglichkeit zu einem Aufenthalt im Freien. Sie sind in regelmäßigen Abständen angeordnet und gut für alle Erholungssuchende erreichbar.

Für Badegäste die über einen längeren Zeitraum Erholung suchen bietet das Hotel im nördlichen Teil des Gebäuderiegels Unterkunft. Die Hotelzimmer sind so angeordnet, dass der Flur immer durch zwei Gemeinschaftsbereiche unterteilt wird. Alle Zimmer verfügen über eine Loggia, sodass das Thema des engen Bezugs zur Außenwelt auch im Hotel fortgeführt wird. Die Appartements werden zweigeschossig ausgebaut und verfügen jeweils über eine Dachterrasse. Im zweiten Obergeschoss ermöglicht ein Rundgang über dem Eingangshof den Hotelgästen den direkten Zugang zum SPA-Bereich.

Das gesamte Gebäude ist in rotem Beton gehalten. Durch eine Brettschalung bekommen die Oberflächen eine holzähnliche Struktur. Dadurch wird in der äußeren Erscheinung ein Bezug zu den traditionellen bunten Holzhäuschen Lettlands die auch in der angrenzenden Siedlung häufig zu sehen sind hergestellt.

Es entsteht ein Erholungsort der seinen Besuchern luxuriöse Entspannungsmöglichkeiten bietet und dabei die Schönheit und Ruhe seiner natürlichen Umgebung unterstreicht. Durch den starken örtlichen Bezug, sowohl in der inneren Organisation als auch bei der Materialauswahl, wirkt das Gebäude authentisch und spiegelt den Charakter seiner Umgebung wider. Das Badeahaus dient als touristischer Anziehungspunkt und soll so die Attraktivität der Region steigern.

A B G A B E L E I S T U N G 

Pläne
Schwarzplan 1:5000
Lageplan 1:1000
Ansichten Gebäudekomplex 1:200
Schnitte Gebäudekomplex 1:200
Grundrisse Gebäudekomplex 1:200
Gebäudeausschnitte 1:200
Visualisierungen
Skizzen und Schemata

Modell
Städtebaumodell  1:500
Lagemodell  1:200

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Beginn der Bearbeitungszeit: 30.05.14
Ende der Bearbeitungszeit: 12.09.14
Präsentation: 23.10.14

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Planabgabe PDF

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Bauhaus-Universität Weimar
Entwerfen und Gebäudelehre II
Prof. Dipl.-Ing. Karl-Heinz Schmitz

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